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  • Rehazentrum Bad Eilsen

    Sanierung des ehemaligen Fürstenhofs

Sanierung des ehemaligen Fürstenhofs, Bad Eilsen

Das Rehazentrum Bad Eilsen befindet sich im historischen, unter Denkmalschutz stehenden Fürstenhof in Bad Eilsen und wird als Schwerpunkteinrichtung für Orthopädie, Rheumatologie und interdisziplinäre Begleiterkrankungen betrieben. Mit 365 Betten ist sie die größte Rehaklinkik der Deutschen Rentenversicherung Braunschweig-Hannover. Um die hohen Anforderungen an die Nutzung als Bettenhaus weiterhin zu gewährleisten, erfolgte eine umfangreiche Sanierung und Modernisierung des Prunkbaus aus dem Jahr 1918.

Aus Hotel wird Bettenhaus

Der Fürstenhof wurde 1918 als eines der modernsten und elegantesten Hotels seiner Zeit errichtet. Fürst Adolf II, der in den wenigen Jahren seiner Regierung das Stadtbild von Bad Eilsen prägte, hatte den Berliner Architekten Paul Baumgarten mit dem Bau des Hotels auf dem Kurgelände beauftragt. Zu gleichen Zeit entstanden in direkter Nachbarschaft die Wandelhalle und das Kurmittelhaus – heute ebenfalls Teil des Rehazentrums. Das Hotel verfügte über 100 Zimmer mit insgesamt 140 Betten. Eine Vielzahl an Gesellschaftsräumen, ein Lesesaal und ein Musikzimmer gehörten zum Raumprogramm des luxuriösen Hotels.

Baubegleitende Planung als besondere Herausforderung

Bevor derartige Sanierungsmaßnahmen durchgeführt werden, erfolgt durch die Architekten und Ingenieure der pbr AG in der Regel eine umfangreiche Bestandsaufnahme. Begehungen und die Erarbeitung von Bestandsunterlagen stellen hierfür die grundlegende Basis dar. Weil Bestandspläne des Fürstenhofs kaum vorhanden waren und auch nur wenig von der Bausubstanz dokumentiert war, konnte eine genaue Bestandsaufnahme hier jedoch erst nach Freizug des Gebäudes und Fertigstellung der Schadstoffsanierung erfolgen. Dieser Umstand hatte zur Folge, dass sich die Planer von pbr in vielen Einzelschritten vor Ort ein Bild von der Situation verschaffen mussten. Weil Details – z. B. der Aufbau von Decken und die Lage von Trägern – teils erst während des Bauens einsehbar wurden, erfolgte unter anderem die Planung des Tragwerks baubegleitend – eine besondere Herausforderung.

Der Fürstenhof stellt sich als ein viergeschossiges Gebäude auf rechteckigem Grundriss dar. Über das Mansardwalmdach bietet er ein fünftes voll nutzbares Geschoss, welches über Dachgauben belichtet wird. Das Gebäude ist voll unterkellert und weist im Untergeschoss mit einer Grundfläche von ca. 2.020 m² die größte Ausdehnung auf. Richtung Süden kragt der Keller aus, der eine große Terrasse Richtung Garten bildet.

Das Erdgeschoss erstreckt sich über eine Fläche von 1.551 m2. Dieses umfasst neben der Eingangshalle, kleine Nebenräume auf der Westseite und sechs, über Türen miteinander verbundene Säle. Auf Höhe des ersten Obergeschosses ist der mittlere Bereich als Lichthof ausgebildet, über den der Innenraum großzügig belichtet wird. Um diesen herum wurden die Obergeschosse angeordnet. Der Haupteingang des Gebäudes befindet sich auf der Westseite und führt direkt in die Eingangshalle, über die das zentrale Treppenhaus zu erreichen ist, welches alle Geschosse erschließt. Neben diesem Haupttreppenhaus erfolgt die vertikale Erschließung im Gebäude über zwei weitere kleine Nebentreppenhäuser auf der Süd- und Nordseite. Zwei Aufzüge gewährleisten überdies die barrierefreie Erschließung aller Etagen.

Weil das Treppenhaus Nord nicht die erforderlichen Mindest-Treppenlaufbreiten erfüllte, aufgrund der zu geringen Durchgangshöhe und seiner gewendelten Form nicht den aktuellen Anforderungen an einen Rettungsweg entsprach, wurde es vom Unter- bis Dachgeschoss als Stahlbetonkonstruktion mit Treppenlauf komplett erneuert. Die Bestandstreppe wurde abgebrochen, der Treppenraum in den Geschossen eins bis vier verbreitert und um den vorgelagerten Flurbereich ergänzt. Zur Abfangung der Treppe mussten Stahlträger vom zweiten Obergeschoss bis zum Dachgeschoss, neue tragende Wände in Ortbeton sowie ein Betonpolster von 100 x 50 cm im Bereich der Decke zwischen Erd- und erstem Obergeschoss eingebaut werden. Darüberhinaus wurden tragende Wände für die Treppe Nord im Untergeschoss abgefangen. Die Durchbruchsplanung wurde stetig an den Bestand angepasst und führte immer wieder zu neuen Erkenntnissen, was in der Tragwerksplanung mit neuen statischen Systemen festgelegt wurde.

Prozesse und Strukturen optimieren

Nur eine prozessunterstützende und optimierte Planung für Personal ermöglicht in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen die bestmögliche medizinische Versorgung der Patienten. So erfolgte im Rehazentrum Bad Eilsen auch die Optimierung der räumlichen Strukturen und Verkehrsweg. Die vor der Sanierung auf den Etagen eins bis drei verteilten Arzt- und Personalräume wurden im ersten Obergeschoss untergebracht. Durch die Zusammenlegung dieser Funktionsräume konnten eine zentrale Anlaufstelle für Patienten geschaffen, Arbeitsabläufe optimiert und Wegeführungen erheblich verbessert werden. Ein Wartebereich für Patienten wurde, gut erreichbar im aufgeweiteten Flurbereich, neben der Haupttreppe und dem Aufzug eingerichtet. Auf der Etage entstanden zwei Arztcenter, jeweils bestehend aus einem Arztzimmer und einem direkt angeschlossenen Raum für die Reha Assistenz. Die zwei Dokumentationsassistenten/-innen der Arztcenter teilen sich ein Büro. Neben den Arztcentern wurden zwei zusätzliche Arzträume sowie ein Raum zur besonderen Verfügung eingerichtet. Die Schwesterndienststelle inkl. Spritzen- und Aktenraum wurde direkt angrenzend an den Wartebereich positioniert, ein Aufenthaltsraum für das Personal mit Teeküche sowie Mitarbeiter- und Patiententoiletten gehören ebenfalls zum Raumprogramm des ersten Obergeschosses. In den verbleibenden Räumen auf der Ost- und Nordseite wurden Patientenzimmer angeordnet.

Keine Spur von Krankenhaus-Architektur

Die oberen Geschosse des Gebäudes wurden mit Ausnahme von einigen Nebenräumen ausschließlich für die Unterbringung von Patienten genutzt. Die zum Innenhof orientierten Räume auf der Süd- und Nordseite wurden teilweise zu Patientenzimmern umgebaut. Mit den zwei Patientenzimmern zum Hof im vierten Obergeschoss, die bereits im Bestand vorhanden waren, sind nach dem Umbau acht Patientenzimmer zum Hof ausgerichtet. Insgesamt stehen nach Fertigstellung der Baumaßnahme 84 Patientenzimmer zur Verfügung. 14 Zimmer wurden als Doppelzimmer eingerichtet, 12 Zimmer können über ein Zustellbett um eine Schlafgelegenheit erweitert werden, ein Zimmer im ersten Obergeschoss kann bei Bedarf durch Zuschaltung des Raums nördlich des Aufzugs als 2-Zimmer-Appartment genutzt werden. Wichtig für einen optimalen Rehabilitationsprozess ist eine angenehme Atmosphäre. In den neu eingerichteten Patientenzimmern finden sich deshalb natürlich Materialien und gedeckte Farbtöne wieder, die ein stimmiges und damit ruhiges Gesamterscheinungsbild gewährleisten.

Im Untergeschoss wurden überwiegend die Räumlichkeiten an den West- und Nordseiten saniert bzw. für neue Nutzungen ausgebaut, weil diese Bereiche besser an die vertikale Erschließung des Gebäudes angebunden sind. Im Südwesten wurden für die Fremdreinigung ein Besprechungs- bzw. Aufenthaltsraum mit kleiner Teeküche, Umkleiden und WCs für Damen und Herren sowie ein Raum für Waschmaschinen und Trockner hergerichtet. Das Reinigungspersonal kann diesen Bereich über einen eigenen Zugang von der Südseite aus betreten. Der Waschraum, in dem Waschmaschine und Trockner für Patienten bereitgestellt werden, blieb an seiner jetzigen Position südlich der Haupttreppe erhalten und wurde oberflächensaniert. Ein Raum für Putzmittel und die Putzwägen des Reinigungspersonals wird zentral in Treppen- und Aufzugsnähe angeordnet. Die Umkleide- und WC-Bereiche für die Mitarbeiter wurden erneuert.

Der angrenzende, tiefer liegende Bereich des Untergeschosses wurde für die Arbeitsplatzbezogene Therapie (ABT) ausgebaut. In den Räumen im Nordwesten sollen Patienten einfache Alltagstätigkeiten wie Kochen, am Schreibtisch sitzen, etc. trainieren. In einem weiteren Raum werden zukünftig Patienten mit Berufen im Handwerk oder auf dem Bau wieder an Baustellentätigkeiten herangeführt.

Die denkmalgeschützten, großen Räume im Erdgeschoß blieben in ihrer Struktur erhalten und wurden nach historischer Vorgabe saniert und restauriert. Die Räumlichkeiten werden für Seminare, Tagungen und Veranstaltungen o. ä. genutzt. Der neue öffentliche Sanitärbereich wurde in den Bereich südlich der Haupttreppe verlegt und ein behindertengerechtes WC vorgesehen. Um die Zugangssituation zu den neuen Toiletten sowie zum Seminarraum auf der Südseite zu optimieren, wurde der Flur um die Fläche bis zur Außenwand erweitert und von hier belichtet. Die ehemaligen WC-Räume wurden zusammengelegt und zu einer Teeküche umgebaut.

Fertigstellung
01/2020
Gesamtbausumme
21 Mio. € (brutto)
Flächen und Rauminhalte
NF 5.315 m²
BRI 35.305 m³
Bauherr
Deutsche
Rentenversicherung Braunschweig-Hannover
Leistungen pbr
Architektur
Tragwerksplanung
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