DE | EN | RU
 
  • Feuerwache Gütersloh

    Neubau einer Feuerwache mit Kreisleitstelle

Neubau der Feuer- und Rettungswache mit Kreisleitstelle Gütersloh

In Gütersloh ist eine neue Feuer- und Rettungswache mit Kreisleitstelle entstanden, die sich mit ihrem Passivhausstandard und der Erweiterbarkeit als äußerst nachhaltig erweist. Gleichzeitig bietet der Neubau den 120 Mitarbeitern der Einsatzzentrale der Berufsfeuerwehr Gütersloh und der Kreisleitstelle für den Rettungsdienst, Brand- und Katastrophenschutz eine klare und sinnvolle Gliederung der Funktionalitäten und sorgt so für einen effizienten Arbeitsfluss auf dem neuesten Stand der Technik.

ARQ Architekten Rintz und Quack GmbH konnten den Architekturwettbewerb im Jahr 2015 für sich entscheiden und erbrachten die Entwurfsplanung für die neue Wache. pbr aus Osnabrück zeichnet für die Planung der Technischen Ausrüstung verantwortlich.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mehr als nur zum Zweck

Die Umgebung der neuen Feuer- und Rettungswache ist mit ihren zwei- bis dreigeschossigen, freistehenden Wohngebäuden, Gewerbebauten und der Freifläche des Marktplatzes städtebaulich stark heterogen geprägt. Der Neubau reagiert darauf mit einer klaren und markanten Gebäudekubatur, die stabilisierend und beruhigend auf die Umgebung wirkt und zugleich einen neuen städtebaulichen Akzent als Eingangstor zum Zentrum der Stadt Gütersloh schafft. Gleichzeitig bildet der kompakte Baukörper durch seine gelenkartige Form mit vier Gebäuderiegeln einen allseitig umschlossenen Betriebshof aus. Drei der Gebäuderiegel wurden zweigeschossig ausgeführt. Qualitätsvolle Fassaden in rotem Klinkermauerwerk lassen ein freundliches und modernes Erscheinungsbild entstehen, das die Idee eines reinen Zweckbaus vollständig vermeidet.

Das Erdgeschoss des Komplexes ist aufgeteilt in Arbeits- und Aufenthalts- sowie Sonderbereiche. So finden sich hier die Fahrzeughalle mit  32 Stellplätzen, eine Werkstatt, Desinfektionshalle, Waschräume, eine Bestückungsgasse und Lagerräume wieder. Zu den Sonderbereichen zählen die Atemschutzwerkstatt, welche zur Reinigung und Instandsetzung der Atemschutzausrüstung dient, und der Rettungsdienstbereich zum Bestücken der Rettungsfahrzeuge.

Im ersten Obergeschoss sind die Dienst- und Aufenthaltsräume der Mitarbeiter untergebracht. Zudem befindet sich hier eine Atemschutzübungsstrecke, mittels derer die Feuerwehrleute unter Einsatzbedingungen den Belastungstest im Umgang mit dem Atemschutzgerät prüfen können. In einem Laufkäfig werden hier unterschiedliche Einsatzszenarien simuliert, so dass Rettungskräfte bestmöglich auf den Einsatz vorbereitet sind. Insgesamt verfügt der Neubau über rund 7.550 m2 Nutzfläche. Herausragendes Merkmal stellt der 23 Meter hohe Übungsturm dar. Das offene Treppenhaus dient zu Trainingszwecken, etwa für die Höhenrettung über Anleitern mit Drehleiter. Außerdem wurde hier ein Prüfstand integriert, um die Leistungsfähigkeit der Pumpen zu prüfen.

 

Nachhaltige Planung bietet beste Voraussetzungen für die Zukunft

Sowohl in der Architektur- als auch in der TGA-Planung wurden alle Aspekte der Nachhaltigkeit berücksichtigt, so dass die neue Feuer- und Rettungswache den Passivhausstandard erreicht. Der Energiebedarf der Wache wird zu großen Teilen regenerativ durch eine installierte Photovoltaik-Anlage gedeckt. Darüber hinaus sind 1.000 Quadratmeter Dachfläche zum Anlegen einer Blumenwiese vorgesehen, die eingeschossige Ausbildung eines Gebäuderiegels bietet außerdem zukünftig eine leichte Erweiterbarkeit und den Belangen des Umweltschutzes wurde durch die Einrichtung von 12 Nistöffnungen für Mauersegler im Übungsturm Rechnung getragen. Nicht zuletzt wird durch die Realisierung einer redundanten Strom- und Kälteversorgung die Einsatzfähigkeit auch in Ausnahmesituationen gewährleistet.

 

Wirtschaftliche Wärmebereitstellung

Die Beheizung des Gebäudes erfolgt über ein Gas-Brennwertgerät in Kombination mit einem gasbetriebenen Blockheizkraftwerk (BHKW). Zur Grundlastabdeckung des erforderlichen Wärmebedarfs wird das BHKW genutzt, zur Spitzenlastabdeckung dient das Gas-Brennwertgerät mit modulierendem Gas-Gebläsebrenner. Der Vorteil dieses Systems liegt darin, dass eine gewisse Redundanz für den Service- oder Wartungsfall gewährleistet ist. Zum anderen wird der erzeugte Strom des BHKW in der Rettungswache verwendet, wodurch die Betriebskosten minimiert werden. Damit auch bei geringer Wärme-Abnahme im Teillastbetrieb eine ausreichende Laufzeit des BHKW sichergestellt werden kann, wurde ein Pufferspeicher eingerichtet. Der Heizraum liegt im Inneren des Gebäudes innerhalb eines Zwischengeschosses zwischen Erdgeschoss und 1. Obergeschoss. Großer Wert wurde hier auf eine erhöhte Schallentkopplung gelegt, so dass beide Verbrennungsmodule zusätzlich zu den Schwingungsdämpfern auf einem Betonfundament mit vollflächig aufgelegten Sylomerplatten aufgestellt wurden.

 

Optimierte Lüftungsanlagentechnik

Das grundlegende Lüftungsprinzip orientiert sich zu großen Teilen an den in enger Zusammenarbeit mit dem Nutzer erarbeiteten Vorgaben. So wurden fünf zentrale Teilklimaanlagen und drei zentrale Lüftungsanlagen eingerichtet. Die Herausforderung in der Lüftungsanlagentechnik bestand insbesondere darin, die Anlagentechnik möglichst wirtschaftlich in die Technikflächen in den Zwischengeschossen mit einer Raumhöhe von 2,4 m zu integrieren. Dies erforderte eine detaillierte und weitsichtige Anlagenverortung, um Kreuzungspunkte im Luftkanalnetz zu vermeiden und ein klares Lüftungskonzept zu konzipieren. Die Luftmengen der Anlagen liegen zwischen 550 m3/h und 7.830 m3/h. Weiterhin wurden dezentrale Ablufteinheiten für die Fahrzeughallen, Küchenabluft, Kompressorkühlluft, Sicherheitsbelüftung, Entrauchungsventilator Atemschutzübung, die Arbeitsplatzabsaugungen und für eine Schweißrauchabsaugung vorgesehen.

Aufgrund der dichten Gebäudehülle ist eine mechanische Be- und Entlüftung nahezu aller Räume erforderlich. Effiziente Wärmerückgewinnungsanlagen gewährleisten hierbei einen wirtschaftlichen Anlagenbetrieb. In Sonderbereichen wie der Atemschutzübungsstrecke wurden gesonderte Abluftventilatoren vorgesehen, um die vollständige Entrauchung des Übungsbereichs in einem Zeitraum von nur zwei Minuten gewährleisten zu können, so dies während einer Übungssimulation erforderlich wird. Während einer Übung (Verrauchung) wird der Übungsraum durch gas- und rauchdichte Absperrklappen vom Rest der Anlage getrennt.

 

Zentrale Abfuhr von Dieselmotoremissionen

Die Fahrzeughallen 1 bis 3 der Einsatzfahrzeuge erhielten eine Absaugung , wie es die DIN 14092-1 fordert. Mit dem Einbau einer zentralen Absaugung für die Dieselmotoremissionen (DME) befindet sich die Feuer- und Rettungswache Gütersloh auf dem modernsten Stand der Technik. Die zentrale Absaugung der Emissionen in den Fahrzeughallen erfolgt rückwärtig zu den Einstellplätzen. Neben den anfallenden DME in Bodennähe werden auch die Kohlenstoffmonoxid-(CO)-Emissionen im Deckenbereich erfasst und abgeführt. Die Abluftventilatoren wurden je Fahrzeughalle so ausgelegt, dass das gesamte Luftvolumen der Halle innerhalb von fünf Minuten ausgetauscht wird. Die Ausführung erfolgte mittels zwei Ventilatoren, die gemeinsam die maximale Abluftmenge abdecken und durch separate Stromkreise gespeist werden. Als Zuluftöffnung dienen die Flächen der Hallentore, deren Ansteuerung über die zentrale Gebäudeleittechnik erfolgt. Die Vorteile dieser zentralen Schafstoffabfuhr liegen in der Vermeidung von Stolperfallen an den Fahrzeugen, in der flexiblen Nutzung von einzelnen Stellplätzen durch unterschiedliche Fahrzeuge sowie in der verbesserten DME-Abfuhr beim Wiederkehren der Fahrzeuge in den Stellplatzbereich und nicht zuletzt im wartungsarmen Anlagenaufbau. Zusätzliche Sicherheit gewährleistet eine zweistufige CO-Warnanlage an allen Fahrzeugstellplätzen.

 

Dezentrale Sonderabluftanlagen

Die Kfz-Werkstatt und die Bestückungszone wurden mit einem Saugschlitzkanal sowie einer automatisch lösenden Abgaszange ausgestattet. Hier werden die DME der Großfahrzeuge beim Ein- und Ausfahren des Hallenbereichs dezentral erfasst und über Dach abgeführt. Zum Schutz vor gesundheitsgefährdenden Ausdünstungen wurde im Nassraum eine Arbeitsplatzabsaugung installiert. Das kompakte Filtersystem wurde als Wandgerät über dem Säuberungsbereich angeordnet.

Die Reinigungsräume wie Desinfektionsräume (Schwarzbereich) wurden über Schleusen von den Reinbereichen (Weißbereich) getrennt. Um den Eintrag kontaminierter Luft vom Schwarz- in den Weißbereich zu verhindern, strömt ein geringer Teil Zuluft vom reinen weißen in den unreinen schwarzen Bereich über.

Fertigstellung
09/2019
Gesamtbausumme
24 Mio. € (brutto)
Flächen und Rauminhalte
NF 5.970 m²
BGF 8.680 m²
BRI 42.240 m³
Bauherr
Stadt Gütersloh
Leistungen pbr
Technische Ausrüstung
Auf Karte zeigen
Google Maps