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  • Institut der Feuerwehr Nordrhein-Westfalen, Münster

    Neubau eines Übungsgebäudes

Neubau der Übungshalle des IdF NRW in Münster errichtet

In Münster-Handorf wurde auf einem 23.330 m² großen Teil eines ehemaligen militärischen Übungsgeländes eine außergewöhnliche Übungshalle für das Institut der Feuerwehr Nordrhein-Westfalen (IdF NRW) errichtet. Eine Besonderheit an diesem Bauobjekt ist eine der Fassadenseiten, die sich innen wie auch außen aus einer Aneinanderreihung verschiedener Häuserfronten zusammensetzt. An der unterschiedlich eingefärbten bzw. verklinkerten Betonfertigteilfassade üben jährlich bis zu 12.000 Feuerwehrleute - darunter Führungskräfte der Feuerwehr - aus dem gesamten Bundesgebiet die taktische Brandbekämpfung. Nicht nur die Häuserzeile, sondern auch die Grundrisse der jeweiligen Nutzungseinheiten mit technischen Einrichtungen sind vorhanden. Die pbr Planungsbüro Rohling AG mit Hauptstandort in Osnabrück hatte vom Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW (BLB NRW) in Münster den Auftrag bekommen, die Technikplanung für die Übungshalle zu erstellen – zum Zeitpunkt der Fertigstellung ein in dieser Art in ganz Europa einzigartiges Projekt.

 

Im Übungsteil – dem Kernstück der Anlage – werden unterschiedlichste Nutzungen dargestellt, so dass viele Einsatzszenarien nachgestellt werden können. Neben der regulären Heizungs-, Lüftungs-, Sanitär- und Elektrotechnik für die Wasch- und Umkleidebereiche, die Lagerzonen, die Lehrsäle und Büros, die Kantine mit Küche, die Fahrzeughallen und die zentrale Übungshalle mussten eine Vielzahl von nutzungsspezifischen Lösungen planerisch umgesetzt werden. Hierzu zählen u. a. die Medientechnik mit Rückwandprojektion in den Lehrsälen, die Küchentechnik im Kantinenbereich, Unterflurabgasabsauganlage für die Übungshalle und Überflurabgasabsauganlagen für die Fahrzeughallen. In der komplexen Übungseinheit wurde die komplette Simulationstechnik mit Simulationsobjekten und Steuerungstechnik ausgeführt.

 

In dem Gebäudekomplex sind ca. 650 Simulationsobjekte installiert, mit denen realitätsnahe Trainingsszenarien erzeugt werden. Einige Simulationsobjekte wiederholen sich vielfach an unterschiedlichen Installationsorten. Dazu zählen z. B. die elektrisch zu öffnenden Fenster, die Personenattrappen, die hinter Fenstern, teilweise auch auf dem Fenstersims, erscheinen und sich winkend sowie rufend bemerkbar machen. Auch die Feuersimulationen, die durch eine Kombination aus Licht, im Ventilatorwind flatternde Tücher und simulierten Rauch unterschiedlichste Feuereindrücke darstellen, sind an mehreren Stellen im Gebäude zu finden. Die ELA-Anlage kann über Lautsprecher, die fast in jedem Raum installiert sind, vielfältige Signale und Geräusche – z. B. Feuerprasseln, ausströmendes Gas, etc. – in die Räume einspielen. Über die Lautsprechersysteme werden auch Rufe von Personenattrappen simuliert. Es kann zum Dialog mit den Auszubildenden kommen, wenn der Ausbilder über ein Headset die Antworten der Attrappen formuliert. Halbzentrale Berauchungsanlagen können einzelne Räume oder ganze Raum- und Hauszonen mit einem ungefährlichen Nebel berauchen. Über Abluftanlagen werden die Bereiche wieder entraucht. Zusätzlich sind simulationsfähige Rauchmelder, mit denen an Brandmeldeanlagen geübt werden kann, in den Nutzungseinheiten angebracht.

 

Neben dieser Grundausrüstung, mit der fast alle Bereiche der Übungsanlage ausgestattet sind, gibt es noch eine Reihe von speziellen, einzelnen Simulationsobjekten in den verschiedenen Funktionseinheiten. Hierzu gehören eine Keller-Außentreppe am Einfamilienhaus, die mit Wasser geflutet und später wieder abgepumpt werden kann, sowie eine Heizzentrale mit Öltanklagerung, die entsprechend beraucht werden kann. Im Mehrfamilienhaus werden folgende Objekte eingesetzt: ein Waschmaschinenkeller und eine Gasverteilung im Untergeschoss, eine Backdrafttür und eine elektrisch beheizbare Tür im Dachgeschoss sowie eine Küchenbrandsimulation im 1. Obergeschoss.

 

Das Hochhaustreppenhaus verfügt genauso wie der Feuerwehraufzug über eine Überdrucklüftungsanlage, die im Brandfall für Rauchfreiheit auf dem Brandangriffsweg und auf dem Fluchtweg sorgen soll.

 

Im Bistro sind beheiz- und berauchbare Deckenplatten installiert. Im Werkstattbereich sind eine KFZ-Hebebühne, eine berauchbare Schaltschrankattrappe sowie ein berauch- und löschbares Spänesilo untergebracht. Im Industriebereich ist ein Edelstahlbehälter mit Mannlöchern aufgebaut, um Personenrettungen aus Behältern simulieren zu können. Ferner ist eine voll funktionsfähige Fassfüllanlage installiert. Hier kann unterschiedlich eingefärbtes Wasser in Fässer gefüllt und ein Überlaufen simuliert werden.

 

 

Die Tiefgarage verfügt neben der standardmäßigen Be- und Entrauchung über eine Sprinkleranlage, die auf einer Teilfläche funktionsfähig ist. Im 2. Obergeschoss sind ein S2-Labor und ein nukleares S4-Labor untergebracht. Die Labore sind vollständig mit den entsprechenden Möbeln ausgestattet. Ferner ist eine voll funktionsfähige CO2-Löschanlage installiert, die mit Druckluft löscht.

 

Im 3. Obergeschoss ist ein Bereich als Hotel und alternativ als Krankenstation nutzbar. Ein anderer Teil dient als Großraumbüro und verfügt u. a. über einen brennenden Papierkorb. Die Zone zwischen Hochhaustreppenhaus und Außentreppenhaus ist außerdem mit einer Nass-/Trockenhydranten-anlage und einer trockenen Steigeleitung für die direkte Feuerwehreinspeisung ausgerüstet.

 

Die Szenarien-Programme laufen automatisch ab, können aber vom Ausbilder jederzeit über ein mobiles Touchscreen-Bediengerät angehalten und verändert werden. Die aufwändige Steuerungstechnik kann auch von der Leitwarte aus bedient werden. Die Einsätze können mit modernster Videotechnik gefilmt und anschließend anhand des Videomaterials in den Lehrsälen nachbesprochen werden. Infrarotkameras ermöglichen auch Aufzeichnungen in verrauchten Bereichen. Die Anlagentechnik ist dafür ausgelegt, dass maximal vier verschiedene Einsätze gleichzeitig abgewickelt werden können.

 

Neben der Übungseinheit besteht der Gebäudekomplex aus drei weiteren Bauteilen. Im Westen und Osten wird er jeweils begrenzt durch zwei Fahrzeughallen mit insgesamt 22 Stellplätzen für Feuerwehr-Fahrzeuge. Im Norden befindet sich ein dreigeschossiger Lehrsaaltrakt mit Umkleide- und Sanitärräumen, vier Lehrsälen mit Nebenflächen und einer Kantine. Im Süden ist die Übungseinheit angeordnet. Diese vier Baukörper bilden den überdachten Innenhof. Übungshalle und Trainingsteil bilden eine gemeinsame Grundfläche von 65 m x 50 m.

Die pbr AG wurde Anfang 2004 hinzugezogen, um die Vor- und Entwurfsplanung für die Technische Ausrüstung zu bearbeiten. Ende 2004 wurde die Maßnahme in einer Funktionalen Leistungsbeschreibung (FLB) ausgeschrieben und Anfang 2005 an einen Generalunternehmer vergeben. Neben der Vor- und Entwurfsplanung erstellte die pbr AG den technischen Teil der FLB, wirkte bei der Angebotsprüfung und Vergabe mit, prüfte die Ausführungsplanung für den Bauherrn und stand in der gesamten Bauphase für den BLB unterstützend bauleitend und beratend zur Verfügung.

Projektinformationen

Fertigstellung
09/2007
Gesamtbausumme
23,5 Mio. € (brutto)
Flächen und Rauminhalte
NF 8.300 m²
BGF 10.900 m²
Bauherr
BLB NRW, Niederlassung Münster
Leistungen pbr
Technische Ausrüstung
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