DE | EN | RU
 
  • Passivhaus-Schwimmbad Bambados, Bamberg

    Neubau eines Schwimmbads

Neubau des Passivhaus-Schwimmbads Bambados, Bamberg

 

Palmen, viel Grün und Sonnenlicht - ein Hauch Karibik ist im oberfränkischen Bamberg mit dem neuen Familien- und Sportbad Bambados angekommen. Die Dimensionen des Sport- und Freizeitbereichs mit einer Gesamtfläche von 13.500 m² und einer Wasserfläche von 1.800 m² sind enorm. Dennoch benötigt das Schwimmbad zwei Drittel weniger Energie als andere Bäder. Als erstes Sport- und Freizeitbad wurde es als Pilotprojekt europaweit nach dem Passivhaus-Standard zertifiziert. Eine Vielzahl energetischer Maßnahmen und innovative Entwicklungen vereinen sich im neuen Bamberger Bad zu einem zukunftsweisenden Konzept. Eine besondere Herausforderung für die Planung war, Energieeffizienz und Attraktivität für Besucher miteinander zu vereinbaren. Die Lösung bietet ein Konzept, das Gebäudeform, Wärmedämmung und den Einsatz der technischen Komponenten optimiert.

Kieselförmige Gebäudeform

Das Bad erzielt die herausragende Energieeffizienz durch seine konsequent nachhaltige Prägung. Die kompakte Kieselform des Gebäudes mit Ausrichtung nach Süden bewirkt ein günstiges Verhältnis von Oberfläche zu Volumen. Ergänzt durch eine hochwertig gedämmte, luftdichte Gebäudehülle und dreifach isolierte Glasflächen reduziert sich die Wärmeabgabe an die Umgebung auf ein Minimum. Insgesamt wurde großer Wert auf eine optimierte Dämmung gelegt, z. B. bei den Bohrpfählen zur Gebäudegründung und den Leitungen innerhalb des Gebäudes. Zusätzlich liegen die beiden Abenteuerrutschen innherhalb der thermischen Hülle des Gebäudes und haben daher keinen direkten Wärmeverlust an die Außenluft im Vergleich zu üblichen Rutschen, die außerhalb des Gebäudes liegen und über die Kunststoffröhre nur schwach gedämmt sind.

Über die großzügigen Fensterflächen an der Südseite wird im Winter Sonnenwärme zur Beheizung des Bades genutzt. Ein Sonnenschutz verhindert im Sommer eine zu starke Wärmeeinstrahlung. Zwei neuartige Glasfenster-Konzepte werden mit dem Ziel einer optimierten Dämmung als experimentelles, in diesem Bereich noch nicht erprobtes Pilotprojekt eingesetzt: Bei einem Teil der Scheiben ist der Glaszwischenraum mit einem Aerogel mit einer Porenstruktur im Nanometerbereich gefüllt. Das Gel ist lichtdurchlässig und dämmt effizienter als herkömmlich isolierte Fenster. In einem anderen Bereich der Gebäudefront wird die sogenannte 3-Kammerverglasung „Heat Mirror“ eingesetzt. Diese hat innen liegend zwei Folien, die die drei Kammern erzeugen. Im Vergleich zu herkömmlichen 3-Scheiben-Isolierverglasungen sind diese Gläser weitaus leichter und dämmen besser. Das gesamte Passivhaus-Konzept wird über ein Monitoring mittels Datenerfassung beobachtet und ausgewertet. Die ausgezeichnete Dämmung der Fenster und der Gebäudehülle erlaubt eine Erhöhung der relativen Luftfeuchtigkeit im Schwimmbad. Das führt zu einer verringerten Wasserverdunstung und einem reduzierten Energiebedarf. Dank Wärmetauscher und Wärmepumpen wird die Wärme aus der Raumluft größtenteils in das Bad zurückgeführt. Optimal an die Badewasseraufbereitung angepasste Pumpen gewährleisten dies auch für die Wärme im Badewasser. So wird ein Rückwärmegrad von ca. 90 % erreicht. Der Einsatz von Ultrafiltrationsanlagen und die Aufbereitung des Schlammwassers verringern den Wasser- und Energieverbrauch deutlich. Nachts werden der Wasserspiegel abgesenkt, die Hubböden hochgefahren und das Außenbecken mit Kunststoffbahnen abgedeckt. So verdunstet erheblich weniger Wasser und es muss weniger gelüftet werden, was zur Reduzierung der Entfeuchtungsleistung der Lüftungsanlagen führt.

Innovative Gebäudetechnik

Durch die Optimierung von Kanal- und Rohrnetzen konnte die Anzahl von Pumpen und Ventilatorleitungen reduziert und Energie eingespart werden. Ein Blockheizkraftwerk liefert etwa 65 % der benötigten Energie. Es wird mit Gas aus einer Holzvergasungsanlage betrieben, die mit Holzhackschnitzeln befüllt wird. Hierfür wurden im Wasserschutzgebiet der Stadtwerke Bamberg schnell wachsende Balsampappeln gepflanzt, die in einem Rhythmus von fünf bis sechs Jahren gefällt werden. Zusätzlich decken drei Erdgas-Brennwertkessel die Spitzenlasten ab und können als redundante Anlage im Notfall die Beheizung des Bades auch ohne die Vergaseranlage sicherstellen. Viele technische Abläufe wurden zudem automatisiert und verbrauchen weniger Energie als manuelle Steuerungen.
Für das Bambados wurde eigens ein neues Beckenkopfsystem entwickelt und erstmalig eingesetzt. Die sogenannte Bamberger Rinne bewirkt eine bis zu 45 % geringere Wasserverdunstung und führt zu Einsparungen der Luftumwälzleistung. Durch die spezielle Formgebung der neuen Rinne läuft das Wasser aus den Becken viel sanfter in die Rinne ein. Der Spritzwasser- und Lärmbildung wird wirksam vorgebeugt. Vor dem Einsatz im Bambados wurde die Wirksamkeit des neuen Beckenkopfsystems am Institut für Energie und Gebäude (IEG) an der Georg-Simon-Ohm-Hochschule für angewandte Wissenschaften in Nürnberg getestet. In einer speziellen Klimakammer wurden Testbecken mit verschiedenen Beckenkopfsystemen installiert. Durch die Erzeugung von Luft- und Wasserströmen wurde der verdunstende Wassermassenstrom ermittelt und die hohe Wirksamkeit der Bamberger Rinne nachgewiesen. Entwickelt wurde die Rinne von der AGROB BUCHTAL GmbH in enger Zusammenarbeit mit der pbr AG.

Wohlfühlfaktor und Energieeffizienz

Der Wohlfühlaspekt für die Schwimmgäste hatte bei der Planung und Durchführung des Bauvorhabens eine hohe Bedeutung. „Familien mit Kindern, Freizeitorientierte und Sportgruppen sollten sich gleichermaßen in dem Bad wohlfühlen. Für den Bauherrn, die Stadtwerke Bamberg, ist das ebenso wichtig wie das energetische Konzept des Bades“ , sagt Boris Schlörb, Projektleiter in der pbr AG. Das Bambados verfügt neben einem Erlebnis- und einem multifunktionalen Sportbecken über ein Eltern-Kind-Becken, zwei Lehrschwimmbecken und ein Kneipp-Becken. Die Tiefe und Größe des Sportbeckens lässt sich durch einen Teilhubboden und eine Hubwand individuell anpassen. Die Lehrschwimmbecken sind in separaten Räumen untergebracht und verfügen über eine Wassergewöhnungstreppeoder einen Hubboden sowie einen kleinen Schulungsraum. Im Erlebnisbecken finden die Besucher unter anderem einen Strömungskanal, einen Wasserfall und eine Grotte vor. Ein Piratenschiff mit Rutsche und Wasserspiele bereichern das Eltern-Kind-Becken. Zwei Großwasserrutschen, eine großzügige Sauna- und Wellnesslandschaft, ein Gastronomiebereich sowie eine Dachterrasse mit Außenbecken vervollständigen das breite Angebot des Bamberger Passivhaus-Hallenbads.

Ausgezeichnet schwimmen gehen

Schon vor der Eröffnung des Bades im November 2011 zeichnete das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) den Entwurf der pbr AG mit einem Preis im Wettbewerb „Gebäude der Zukunft – Architektur mit Energie“ aus. Eine weitere Auszeichnung erhielt das Bad 2012 von der Deutschen Energie-Agentur GmbH als „Gutes Beispiel für Energieeffizienz in Kommunen“. Gefördert wurde das Bambadosinnerhalb des Programms für energieoptimiertes Bauen (EnOB) des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie. In der Forschungsinitiative EnOB werden innovative Bauweisen und Baustoffe mit dem Ziel der Energieeffizienzsteigerung gefördert. Die Schwerpunkte liegen dabei auf Forschung und Entwicklung in den Bereichen Bautechnik und technischer Gebäudeausrichtung sowie auf der wissenschaftlichen Evaluierung der Gebäudeergebnisse.

Weitere Förderungen erhielt das Schwimmbad vom Landesamt für Umwelt des Freistaates Bayern und der Regierung von Oberfranken. Die Lageplan Parameter für das Passivhallenbad wurden in enger Zusammenarbeit mit dem Passivhausinstitut Darmstadt erarbeitet. Das Institut begleitete das Projekt durch die dreijährige Planungsphase und zertifizierte es als erstes Passivhallenbad in Europa. Das Bad vereint nicht nur innovative Projekte und ein erfolgreiches Zusammenspiel von energetischen Maßnahmen, es zeigt auch die vielfältigen Möglichkeiten des zukünftigen Bäderbaus.

Projektinformationen

Fertigstellung
10/2011
Gesamtbausumme
27,1 Mio. € (netto)
Flächen und Rauminhalte
NF 4.900 m²
BGF 13.535 m²
BRI 93.319 m³
Bauherr
Stadtwerke Bamberg Bäder GmbH
Leistungen pbr
Gesamtplanung
Auf Karte zeigen
Google Maps