DE | EN | RU
 
  • Haupt- und Landgestüt, Neustadt/Dosse

    Sanierung eines Landgestüts

Sanierung von Stall- und Wohngebäuden des Brandenburgischen Haupt- und Landgestüts Neustadt (Dosse)

Viele Gebäude des brandenburgischen Haupt- und Landgestüts in Neustadt (Dosse) werden seit 2003 mit Fördergeldern des Landes Brandenburg und der EU saniert. Für zehn Gebäude des Hauptgestüts führte die pbr Planungsbüro Rohling AG die Sanierung als Gesamtplaner durch. Für das Landstallmeisterhaus, das Hauptgebäude der Anlage, realisierte die pbr AG die Planung der technischen Gebäudeausrüstung.

Das brandenburgische Haupt- und Landgestüt in Neustadt (Dosse) nordwestlich von Berlin wurde 1788 im Auftrag des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm II. errichtet. Es gliedert sich heute in das Haupt- sowie das ca. einen Kilometer nördlich gelegene Landgestüt und steht sowohl als Ensemble als auch mit seinen Einzelgebäuden als herausragendes Beispiel eines spätbarocken Profanbaus unter Denkmalschutz. Jährlich werden auf diesem mit 410 Hektar Fläche größten der zehn staatlichen Gestüte Deutschlands durchschnittlich 370 Pferde betreut.

Grundlagen der Sanierung

Bei den Sanierungsmaßnahmen mussten zeitgemäße baurechtliche und technische Anforderungen umgesetzt, die bestehende Bausubstanz berücksichtigt sowie das innere und äußere Erscheinungsbild gewahrt werden. Auch Überlegungen für die artgerechte Zucht und Haltung von Reit- und Sportpferden sowie für die brandschutztechnische Optimierung waren in die Planung einzubeziehen.

Umfangreiche historische und bautechnische Untersuchungen sowie unverzichtbare Bestandsaufnahmen bildeten die Grundlage für die Planung und Ausführung der Sanierungsmaßnahmen. Auf Veranlassung der Denkmalbehörden wurden vom Bauherrn Bauforscher und Restauratoren damit beauftragt, die Baugeschichte der häufig umgebauten Substanz zu untersuchen und zu dokumentieren. Darüber hinaus gaben sie denkmalpflegerisch korrekte Festsetzungen über endgültige Farb- und Materialfassungen vor und definierten zu Verwerfendes und zu Erhaltendes.

 

Folgende Aufgaben wurden von der pbr AG als besondere Leistungen zum Teil mit Sonderfachleuten als Planungspartner ausgearbeitet:

-        Verformungsgerechtes Aufmaß

-        Bestandspläne der denkmalpflegerischen Genauigkeitsklasse III zum Teil über optisch entzerrte Messbilder

-        Holzgutachten mit detailliertem Schadenskataster

-        Gutachten über die Mauerwerksversalzungen

-        Schadstoffgutachten bezüglich Holzschutzmittel, PAK, Asbest etc.

-        denkmalgerechte schwarz/weiß-Fotodokumentation mit entzerrten Messbildern und ohne stürzende Linien

-        Fundamenterkundungen über Schürfgruben

Sanierung der Stallgebäude

Die langgestreckten Stallgebäude bilden die repräsentativen Längsseiten des rechteckigen Hauptplatzes. Schwerpunkt der Sanierung des Stallgebäudes, das den Innenhof nach Norden begrenzt, war die zeitgemäße Unterbringung von Zuchtpferden unter Aspekten des Denkmalschutzes. Hier war auch eine umfangreiche Restaurierung des stark geschädigten hölzernen Dachstuhls notwendig. In den Stallgebäuden 7 und 8, die den Hauptplatz nach Süden einfassen, wurden neben der Sanierung der Stallungen auch Unterkünfte für die Gestütsmitarbeiter zu Schulungsräumen und vermietbaren Wohneinheiten umgebaut. Für den Stallbereich wurde außerdem eine moderne, automatisierte Befütterungsanlage erstellt. In einem ehemaligen Futterlager sind nach umfangreichen Sanierungs- und Umbaumaßnahmen nun die Ställe für erkrankte Pferde einschließlich Nebenräumen angeordnet. Bei der Modernisierung der Gebäude wurde Wert auf helle und gut belüftete Ställe gelegt.

Die beiden 120 m langen Stallungen mussten im Abstand von 40 m durch ordnungsgemäße Brandwände untergliedert werden. Die gesamten zum Teil bauzeitlich erhalten gebliebenen scheitrecht verlegten Ziegelböden der Stallungen mussten ausgebaut und durch eine zum Grundwasserschutz bituminös abgedichtete Betonsohle ersetzt werden.

 

Nebengebäude

Mehrere Nebengebäude zum Teil aus dem 19. Jahrhundert wurden denkmalgerecht saniert, umgebaut und umfunktioniert. Beispielsweise wird die Remise, ein Fachwerkbau mit Lagerflächen, nun als Ausstellungsraum für historische Kutschen und Wagen genutzt. Darüber hinaus wurde das ursprüngliche Erscheinungsbild der Fassaden- und Dachflächen mancher Gebäude wiederhergestellt, z. B. für die alte Reithalle und die ehemalige Schmiede, in der sich heute Laufställe befinden. Bei anderen Gebäuden waren grundlegende Modernisierungen im Inneren notwendig. So wurde der Innenbereich der Besamungsstation umgebaut und den veränderten technischen, organisatorischen und tiermedizinischen Anforderungen angepasst. Zur Erfüllung des gestiegenen Raumbedarfes wurden die neue Schmiede und die Werkstatt in Abstimmung mit der Denkmalpflege erweitert.

Fassaden und Mauerwerkssockel

Eine der Herausforderungen bei der Sanierung des Gestüts waren die versalzten Mauerwerkssockel und Fassaden.

Sukzessive zerstörend wirkten die in das Mauerwerk eingetragenen Schadsalze, die in nassen Jahreszeiten in wässrige Lösung gehen, kapillar durch die Poren der Ziegel und des Mörtels wandern (aufsteigende Salzhorizonte) und bei Austrocknen durch Kristallisationsdruck das Mauerwerk von innen heraus zerbröseln. Hier kam nach eingehender Diskussion eine Lösung zum Einsatz, bei der der versalzene Mauerwerkssockel bis auf das Fundament freigelegt, mit zementären Dichtschlämmen eingekapselt und mit einer Horizontalsperre, die im Mauersägeverfahren eingebracht wird, nach oben hin abgedichtet wurde.

Projektinformationen

Fertigstellung
2015
Gesamtbausumme
5 Mio. € (brutto)
Flächen und Rauminhalte
NF 4.405 m²
BGF 13.405 m²
BRI 60.452 m³
Bauherr
Stiftung Brandenburgisches Haupt- und
Landgestüt Neustadt/Dosse
Leistungen pbr
Gesamtplanung
Auf Karte zeigen
Google Maps