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  • Orthopädische Klinik Schloss Werneck

    Generalsanierung eines Krankenhauses

Generalsanierung der Orthopädischen Klinik Schloss Werneck

Durch die Generalsanierung sollte ein moderner Klinikbetrieb gewährleistet, gleichzeitig aber der bauzeitliche Ursprungszustand wieder hergestellt werden. Eine besondere Herausforderung, die durch die teilweise stark in Mitleidenschaft gezogene Bausubstanz aus dem 18. Jahrhundert zusätzlich erschwert wurde. Dabei war es ein besonderes Anliegen des Bauherrn, die ehemalige Raumkonzeption des Gartensaals, des so genannten „sala terrena“, und dessen Verbindung zum historischen Treppenraum wieder herzustellen, um hier den Empfangsbereich und ein Café einzurichten. Durch den Abbruch einer massiven Verbindungsbrücke und den Rückbau geschlossener Wandteile zum Gartensaal gelang es, die Raumeinheiten wieder zusammen zu führen. Gleichzeitig wurden die nachträglich vermauerten Wandöffnungen zum ehemaligen Treppenraum wieder geöffnet, der Mitte des 19. Jahrhunderts durch Überwölbung der Deckenöffnungen und die Aufteilung in einzelne Räume verloren gegangen war. Mit dem Abbruch aller Zwischenwände konnte der Raumeindruck des Treppenhauses samt Deckengewölbe und Kompositkapitellen wieder hergestellt werden. Im ehemaligen Treppenauge befinden sich heute der Patientenempfang und ein Schwestern-Stützpunkt als gläserne Anlage.

Um neue Funktionen wie Notfallaufnahme, Radiologie, Anästhesie und Intensivpflegebereich einzurichten, die ursprünglichen Raumgeometrien allerdings zu erhalten, wurde der Raumzuschnitt durch eingestellte Trennelemente mit HPL-Schichtstoffplatten gegliedert. So sind verschiedene Funktionsbereiche bei gleichbleibender Raumstruktur entstanden. Die Einrichtung der Radiologie erforderte diverse technische Installationen im Deckenbereich. Eine besondere Herausforderung, da das historische Kreuzgratgewölbe erhalten bleiben sollte. So wurden die Eingriffe in das Gewölbe stark reduziert und diese sowie die Technik durch Deckensegel verborgen. Hinter dem Segel läuft das sanierte Kreuzgratgewölbe weiter und bleibt für Besucher und Patienten erlebbar. In der Physikalischen Therapie nehmen eingestellte Glasboxen die neue Funktionen auf. Durch die Reflektionen der Gläser entmaterialisieren sich die Boxen und lassen auch hier den ehemaligen Raumzuschnitt weiterhin erkennen.

 

Um in den 62 neu eingerichteten Patientenzimmern im Hauptschloss und im Flügelbau D-Süd eine angenehme Atmosphäre zu schaffen, kamen hier lediglich natürliche und klassische Materialien zum Einsatz. Im Flügelbau D-Süd wird durch robustes Eichenparkett an die historische Materialvorgabe angeknüpft. Wandschutz und Möbel in Nussbaumfurnier wecken Assoziationen an den Barock und tragen zu einer angenehmen Atmosphäre bei. Auf die Installation der üblichen Medienleiste wurde verzichtet. Ein Medienschrank dient ferner als trennendes Möbel zwischen den Betten und verbirgt zugleich die technischen Installationen. 

Der scheinbaren Endlosigkeit der Flure wurde „ein Ende“ gesetzt, indem sie durch Sanitärkuben und Schwesternstützpunkte gegliedert wurden. Mit robusten Fassadenbaustoffen wie Edelstahl, Faserzement und Glas setzen die Kuben der historischen Innenwand eine Außenwand entgegen. Das helle Ocker an den historischen Innenwänden schafft nicht nur Atmosphäre, sondern weckt zugleich Assoziationen an die Barockzeit.

Hightech-Medizin, digitales Datenmanagement und eine ausgefeilte Logistik – die Anforderungen an moderne Kliniken sind hoch, technische Einrichtungen deshalb notwendig. Um auch an dieser Stelle den historischen Raumeindruck zu erhalten, wurde auf die Konstruktion von Abhangdecken verzichtet und die Technik hinter Vorsatzschalen, Schränken und Wandbekleidungen versteckt.    

Speziell entwickelte, gläserne Sanitärzellen mit integrierten Patientenschränken und einer sich nach oben auflösenden Teilbedruckung der Gläser sorgen zudem dafür, dass die historische Raumstruktur in den Patientenzimmern im Hauptschloss erhalten bleibt. Der in die Sanitärzellen integrierte Schrank wird als Möbel gar nicht wahrgenommen. Durch die Lichtführung auf den Stuckvouten durch Beleuchtung der charakteristischen Hohlkehle, wird der einstige Raumeindruck für Besucher und Patienten vollends erlebbar. Materialien wie Eiche, Nussbaum, Leder und Messing erzeugen eine warme Atmosphäre und stellen eine Reminiszenz an den Barock dar. In Anlehnung an die Raumgliederung dieser Zeit finden sich außerdem Merkmale des klassischen Repertoires wie Türumrahmungen mit Supraporte und Wandvertäfelungen als unterer Wandschutz wieder. Bauzitate wie der klassische Konsoltisch mit Spiegel an den Mauervorlagen der Fensterseiten wurden aufgenommen und übernehmen neue Funktionen. Patientenbäder wurden in Feinsteinzeug in einem warmen Sandton eingerichtet, die Waschtischablage in kristallinem Muschelkalk.

Projektinformationen

Fertigstellung
01/2014
Gesamtbausumme
31,2 Mio. € (netto)
Flächen und Rauminhalte
NF 4.108 m²
BGF 19.300 m²
BRI 89.750 m³
Bauherr
Bezirk Unterfranken
Leistungen pbrzz
Architektur
Brandschutzplanung
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