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  • Hörnbad

    Neubau eines Sport- und Freizeitbades

Neubau des Sport- und Freizeitbades in Kiel

Das neue Hörnbad in Kiel vereint ein futuristisches Erscheinungsbild und eine vielfältige Innenraumgestaltung mit Aspekten der Energieeinsparung und des Klimaschutzes. Der große Neubau übernimmt eine zentrale Bedeutung für Kiel, weil er die Funktionen kleinerer städtischer Bäder in einem großen zusammenführt.

 

Futuristische Gebäudeform mit identitätsstiftender Dachlandschaft

Die städtebauliche Ausprägung des Schwimmbadneubaus wird von diversen umgebungs- und grundstücksspezifischen Vorgaben bestimmt. Dies sind insbesondere die Nähe zur Gablenzbrücke, ein westlich gelegener Teich, der kanalisierte Bach Mühlenau, der nicht überbaut werden durfte, und die vorhandene städtische Infrastruktur. Der Baukörper nimmt diese Umgebungsparameter in Form einer großen, liegenden Eins auf. Sämtliche Funktions- wie auch Erschließungsbereiche wurden soweit optimiert, um das ehrgeizige Raumprogramm im beengten Baufeld vereinen zu können.

Im Südosten dreigeschossig ausgebildet, steigt die Gebäudehöhe zur Gablenzbrücke nach Nordwesten – bedingt durch die Positionierung des Sprungbeckenbereichs zu einer Viergeschossigkeit –  an. Auf diese Weise sind nicht nur die geforderte Raumkante zur Brückenrampe und der Mühlenau entstanden, sondern auch eine identitätsstiftende Dachlandschaft und Gebäudeüberhöhung.

Durch die Schrägstellung der Nord- und Ostfassaden und die fugenoffenen Fassaden erhält der Neubau eine dynamische und futuristische Anmutung, die Konnotationen zu einem Schiffsrumpf weckt. Aufgrund seiner Lage zwischen Altstadt und dem Stadtteil Gaarden übernimmt das Gebäude ebenfalls eine Leuchtturmfunktion für die geplante Aufwertung und Entwicklung des Stadtteils und so eröffnen sich dem Betrachter bereits von der Gablenzbrücke aus verschiedene, interessante Perspektiven.

Die große Freiflächenterrasse mit Außenbecken verstärkt zudem den individuellen Charakter des Gebäudekomplexes. Mit den großzügigen Fensterfronten nach Westen und den damit verbundenen Sichtachsen nimmt der Baukörper die bestehende Teichanlage in die Inszenierung der Badewelt mit auf.

Geschlossenheit und Transparenz im Wechselspiel

Wirtschaftlichkeit, Funktionalität und Gestaltung werden durch den spannungsvollen Dialog zwischen Transparenz und Geschlossenheit vereint. Nach Südwesten ist das Bad durch großzügige transparente Flächen zum Teich geöffnet, wodurch eine optimale natürliche Belichtung erzielt wird. An der Ost- und Nordseite sind die Fassaden dezent offen bzw. völlig geschlossen. So kommen die passiven Solareinträge den verringerten Wärmeverlusten an den sonnenabgewandten Gebäudeseiten zugute.

Das äußere Material- und Gestaltungskonzept zeigt sich im Materialmix aus hellen, großformatigen Fassadenplatten, anthrazitfarbenen Aluminiumprofilen und den großen Glasflächen modern und zugleich zeitlos. Die Pfosten-Riegel-Konstruktionen und Fenster liegen oberflächenbündig in den Fassaden, so dass der Eindruck einer gespannten Fassade entsteht.

Übersichtliche Gliederung

Der Baukörper mit Kantenlängen von ca. 124 m und 82 m und jeweils ca. 30 m Schenkeltiefe ist auf drei Geschossebenen organisiert. Im Sockelgeschoss sind Technikflächen, Personalräume und die Badverwaltung untergebracht. Das Erdgeschoss beherbergt den Sport- und Freizeitbereich sowie die Gastronomie. In exklusiver Atmosphäre befindet sich im Obergeschoss die Saunalandschaft. Die Kieler Bäderverwaltung hat hier ebenfalls separat zu erschließende Büroräume.

Der Hauptzugang des Bades liegt auf erhöhtem Erdgeschossniveau in Mitte der Ostfassade und ist über eine großzügige Freitreppe sowie barrierefrei über einen ebenengleichen Nebeneingang mit Aufzug zu erreichen. Ein großzügiges Foyer mit Empfang, Shop, Aufenthaltsbereich und angrenzendem Gastronomiebereich, der auch von der Badeplatte genutzt werden kann, lässt erste Blicke auf das Bad, den Kleinkinderbereich und die große Freiterrasse zu. Südlich des Foyers sind die Umkleiden für den Freizeitbereich, nördlich die des Sportbades angeordnet. Ein zweiter, separater Zugang für Schulklassen, Vereine und Tribünengäste zum Sportbereich reguliert den Zutritt der Besucher und vermeidet damit auch Störungen im Betrieb. Erschließungen und Flure wurden minimiert, um alle Funktionsbereiche auf dem kompakten Grundriss unterbringen zu können. 

Erlebniswelt mit fließenden Übergängen

Die Badeplattform mit insgesamt 1.700 m2 Wasserfläche besteht aus einem Sport-, einem Freizeit-, einem Lehrschwimm- sowie einem Eltern-Kind-Becken. Darüber hinaus bietet der Außenbereich eine weitere Schwimmfläche und eine große Liegeweise. Das 50-Meter-Sportbecken verfügt über acht Bahnen und einen Hubboden, der eine stufenlos einstellbare Wassertiefe ermöglicht und einen Teilbereich des Beckens so für unterschiedliche Einsatzzwecke nutzbar macht. Am tiefen Ende des Beckens ist die Sprunganlage mit 1-Meter- und 3-Meter-Sprungbrettern und 5-Meter-Sprungplattform verortet. Mittels einer Wendebrücke lässt sich das Becken zudem unterteilen.

Das Freizeitbecken bietet Sprudelliegen, Sprudelsitze, Nackenduschen, Bodenbrodler und Wasserpilz. Eine 70 Meter lange Reifen-Wasserrutsche mit Landebecken sorgt für zusätzlichen Freizeitspaß. Das Eltern-Kind-Becken mit Seelöwenfigur, Wasserorgel und Schiffchenkanal ist zwischen Freizeitbereich und Lehrschwimmbecken und damit auch in unmittelbarer Nähe zum Gastrobereich angeordnet.

Die barrierefreie Wasserlandschaft ist übersichtlich organisiert und wartet mit einem hohen Erlebniswert auf. Die Bereichsübergänge sind fließend, so dass Besucher das Bad stets in seiner Gesamtheit erleben. Verschiedene Raumhöhen kennzeichnen die unterschiedlichen Zonen im Sport- und Freizeitbereich. Dadurch wird auch eine subtile Untergliederung der Badbereiche für Gäste erlebbar. Die Hauptbereiche Sport und Freizeit sind aus Lärmschutzgründen durch eine Glaswand voneinander getrennt. Der Außenbereich präsentiert sich als Ergänzung der inneren Badelandschaft und bindet den angrenzenden Teich optisch in das Gesamtbild ein.

Die Saunalandschaft mit verschiedenen Themensaunen, Saunabar, Tauchbecken, Whirlpool und Dachterrasse wird über den Umkleidebereich des Freizeitbades erschlossen. Große Fensteröffnungen in den frei stehenden Wänden verknüpfen durch gezielte Ausblicke den abgeschiedenen Bereich mit dem Bad und seiner Umgebung. Der Rücklauf der Saunaheizung wurde direkt unter den Gehwegen und der Außendusche im Saunabereich geführt und sorgt im Winter für Eisfreiheit auf diesen Bereichen.

Hohe Raumluftqualität wirtschaftlich erzeugen

Alle Räume des Gebäudes werden mechanisch über die Lüftungsanlagen in den Technikzentralen im Ober- und Untergeschoss be- und entlüftet. Hierzu versorgen jeweils separate Geräte einen großen Badbereich oder zusammengeschlossene Bereiche. Insgesamt sind 12 Lüftungsanlagen mit einer Luftmenge von ca. 150.000 m³/h verbaut. Die Lüftung des Bades erfolgt zum größten Teil mit Schwimmbadgeräten, die sich durch ihre Korrosions- und Chlorbeständigkeit auszeichnen. Die Luftversorgung weniger beanspruchter Bereiche erfolgt über Nebenraumgeräte. Die Zu- und Abluftanlagen verfügen über eine hocheffiziente Wärmerückgewinnung durch Doppelkreuzstromwärmetauscher ohne mechanische Entfeuchtung. Im Ruhebetrieb wird der Volumenstrom verringert, um so die Stromaufnahme der Ventilatoren deutlich zu senken. Um den Energieverbrauch weiter zu senken, wurden alle Ventilatoren mit EC-Motoren ausgestattet. Darüber hinaus wurden die zulässigen Geschwindigkeiten in Kanalsystemen und Lüftungsgeräten auf Werte deutlich unterhalb der normativ zulässigen Werte begrenzt. Es wurde darauf geachtet, Luft von einem Nutzbereich in einen anderen überströmen zu lassen und somit für eine verbesserte Wirtschaftlichkeit zweimal zu nutzen. Dies trifft z. B. auf die Umkleide- und Duschbereiche sowie die Sauna zu.

 

Im Sanitärbereich ist das Bad soweit möglich mit elektronischen Armaturen ausgestattet, weil sich durch die elektrisch gesteuerte Laufzeit Wasser sparen lässt. Außerdem führen die Armaturen zeitabhängig und eigenständig Hygienespülungen durch. Hygienespülungen und Laufzeiten der Armaturen können über die Gebäudeleittechnik eingestellt werden. Wenn Armaturen nur selten genutzt werden, kann dies ebenfalls über die Gebäudeleittechnik festgestellt werden.

Das Badewasser mit einem Gesamtumwälzvolumenstrom von ca. 800 m³/h wird mittels Ultrafiltration aufbereitet. Das Bad gehört somit zu einem der größten Bäder mit Ultrafiltration in Deutschland. Etwa 75 % der Abwässer aus den Badewasseraufbereitungsanlagen werden über eine weitere Anlage mit Ultrafiltration und Umkehrosmose so gereinigt, dass sie wieder in den Badewasserkreislauf zurückgeführt werden können. Die Desinfektion erfolgt mit einer automatischen Voll­vakuum-Chlorgasanlage. Die Filteranlage lässt sich über ein Touch-Panel steuern und Anlagenparameter werden über die Gebäudeleittechnik visualisiert und dokumentiert.    



Schwimmbadtechnik und Badewasseraufbereitung

Die Badewasseraufbereitung ist nach der DIN19643-2, 2012-11 ausgelegt. Es wurde die Verfahrenskombination Flockung-Mehrschichtfiltration mit adsorptiver Kohle-Chlorung gewählt. Die Zuordnung der einzelnen Wasserkreisläufe erfolgte nach den Kriterien Wassertemperatur, vergleichbare hygienische Belastung und Nutzungsprofile. So wurden sieben Anlagen zur Badewasseraufbereitung mit einer Umwälzleistung von insgesamt 616 m3/h installiert.

Für die Aufbereitung kommen Saugfilter zum Einsatz, da diese Technik im Vergleich zu konventionellen Standard-Druckfiltern weniger Strom und Wasser verbraucht. Als Belastbarkeitsfaktor wurde k=0,5 1/m3 gewählt. Dabei wird 100% des Beckenzulaufvolumenstroms über die Filter gefahren. Zur Reduzierung von Desinfektionsnebenprodukten, wie gebundenem Chlor und THM (Trihalogenmethan), wird Aktivkohle eingesetzt.

Der Betrieb der Badewasser- und Betriebswasseraufbereitung erfolgt vollautomatisch mit pneumatischen Armaturen, wobei die Möglichkeit besteht, von Hand in die Betriebsabläufe einzugreifen. So stehen folgende Funktionen zur Auswahl: Aus, Normalbetrieb, Rückspülbetrieb, Teillastbetrieb außerhalb der Badebetriebszeit und Teillastbetrieb innerhalb der Badebetriebszeit.

Für die Rohwasser- und Filtratpumpen wurden Permanent-Magnet-Motor-Pumpen mit Frequenzumformer eingeplant. Ein Teillastbetrieb während der Nichtbetriebs- und Betriebsstunden unter Einhaltung der Hygienehilfsparameter ist möglich. Für die Rutsche wurde ein Volumenstrom von ca. 360 m3/h vorgesehen. Die Rutsche wird aus einem Behälter beschickt, in dem auch das Wasser aus dem Flachauslauf fließt. An dem Behälter ist eine Saugfilteranlage mit einem Aufbereitungsvolumentstrom von 60 m3/h angeschlossen. Während der Nichtbetriebszeiten werden die Rutsche und das Landebecken in den Auffangbehälter entleert. Für das Planschbecken wird eine eigene Badewasser-Aufbereitungsanlage mit eigenem Schallwasserbehälter genutzt, um auf unterschiedliche Temperaturanforderungen reagieren zu können. Aufgrund des hohen pH-Wertes des Frischwassers wird die Desinfektion über eine Chloranlage realisiert. Diese senkt den pH-Wert. Da das Wasser durch Chlorgas sauer wird, werden zusätzlich Marmorkiestürme eingesetzt. Die Desinfektion wird als Vollvakuum-Chlorgasalage ausgeführt. Die angeschlossenen Dosiermittel für pH-Korrektur und Flockung stehen zentral in der Nähe des Chemikalienlagers.

Alle Behälter werden geschlossen ausgeführt und erhielten eine Be- und Entlüftung über Dach. Die Behälterböden haben ein Gefälle von 0,5 %. Die Füllwassermengen für die Rohwasserspeicher werden über Wasserzähler erfasst.

Das anfallende Spülabwasser wird in einem betonierten Spülabwasserspeicher gepuffert und der Betriebswasseraufbereitung nach DIN 19645 Typ 1 zugeführt. Dies erfolgt über eine schwimmende Absaugung. Die Betriebswasseraufbereitung Typ 1 ist nach dem Prinzip der Mehrfachbarriere aufgebaut. Das aufbereitete Wasser wird über eine Kontingentsteuerung den einzelnen Anlagen als Füllwasser zugeführt. Über die Aufbereitungsanlage werden ca. 70 – 75 % zum Einsatz zurückgewonnen. Die Anlage besteht aus einer Ultrafiltrationsanlage, einem Aktivkohlefilter und einer Umkehr-Osmoseanlage.

Effizientes Lüftungssystem senkt Betriebskosten

Um sowohl die Luftmengen als auch die Anordnung der Zu- und Abluftdurchlässe zu optimieren, wurde mit Beginn der Planung eine Raumluftströmungssimulation durchgeführt. Im Ergebnis werden die unterschiedlichen Badebereiche in der Badehalle durch individuell an angepasste Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung bedient. Je nach Nutzungsbereich wird eine Wärmerückgewinnung von 75 bis 80 % erzielt.

Während des Badbetriebs arbeiten die zwei Zu- und Abluftgeräte für den Badebereich mit einem Volumenstrom von jeweils bis zu 24.600 m³/h und einem Außenluftanteil von 100 %. Dabei wird der Volumenstrom in Abhängigkeit der Abluftfeuchtigkeit geregelt. Wenn im Ruhebetrieb die Verdunstung, aufgrund der nicht mehr vorhandenen Bewegung der Oberfläche, deutlich geringer ist, kann der Volumenstrom auf minimal 8.000 m³/h pro Gerät reduziert werden. Durch die gezielte Regelung der Volumenströme lässt sich die Stromaufnahme der Zuluft- und Abluftventilatoren im Jahresdurchschnitt deutlich reduzieren.

Effiziente Wärmerückgewinnung

Die Zuluftverteilung für die Schwimmhalle erfolgt über Lüftungskanäle, die in der abgehängten Decke oder sichtbar zwischen den Dachträgern geführt werden. Angeschlossene Drallauslässe, die über die gesamte Decke verteilt sind, blasen die Zuluft von der Zwischendecke in den Aufenthaltsraum ein. Die Luftmenge pro Drallauslass wird so geregelt, dass die Luft bis knapp über die Wasseroberfläche geblasen wird. Auf diese Weise wird die gesamte Halle durchspült ohne, dass Badegäste Zugerscheinungen spüren. Um auch im Ruhebetrieb eine optimale Wurfweite der Drallauslässe zu erreichen, können einzelne Zuluftkanäle über motorische Klappen verschlossen werden. Entlang der Wände in der Decke angeordnet, befinden sich Schattenfugen, über die die Abluft abgesaugt, in die Zwischendecke eingeführt und schließlich an der Wand zum Technikraum abgeführt wird. Um im Eltern-Kind-Bereich eine behagliche Atmosphäre zu gewährleisten, besteht hier die Möglichkeit, die Zuluft über ein Nachheizregister nach zu erwärmen. Die Zu- und Abluftanlage für das Kursbecken arbeitet mit einem Volumenstrom von bis zu 8.600 m3/h. Dabei wird die Luftmenge in Abhängigkeit der Abluftfeuchtigkeit geregelt. Im Bereich der Umkleiden und Duschen wird die Abluft der Umkleiden effizient genutzt und den Duschbereichen als Zuluft zugeführt. Die nur gering belastete Abluft aus den Umkleiden dient zum Abtransport der Luftfeuchtigkeit aus den Duschen und wird auf diese Weise sinnvoll ein zweites Mal genutzt.

Fertigstellung
1/19
Gesamtbausumme
23,4 Mio. € (brutto)
Flächen und Rauminhalte
NF 12.635 m²
BGF 13.857 m²
BRI 60.258 m³
Bauherr
Landeshauptstadt Kiel
Leistungen pbr
Wettbewerb 2010, 1. Preis
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